Vogelschutz im Revier

Jagd und Artenschutz müssen keine Gegensätze sein, ganz im Gegenteil. Der Jäger kann aktiv dazu beitragen, dass sich Vögel, aber auch Insekten und Kleinsäuger in unserem Wald ansiedeln und sich dort auch wohl fühlen. Er kann mit relativ einfachen Mitteln, die notwendigen Strukturen schaffen, um Arten zu fördern, zum Beispiel mit Nisthilfen. Edi März, unser Umweltexperte beim Münchner Jägerverein, hat eine Reihe von Nisthilfen angeschafft. Die haben wir nun im Lehrrevier im Rahmen der praktischen Jägerausbildung aufgehängt.

Andreas Bautsch vom Landesbund für Vogelschutz

Die notwendige Anleitung dazu bekamen wir von Andreas Bautsch vom Landesbund für Vogelschutz. Er ist extra zu uns ins Lehrrevier gekommen und hat uns das Wichtigste in Sachen Nisthilfen beigebracht. Vielen Dank dafür.

Nistkasten ist nicht gleich Nistkasten und beim Bau eines Behelfswohnheims für Waldbewohner kann man viele Fehler machen. So darf das Flugloch für die Blaumeise nicht größer als 28 mm sein, weil sonst die Kohlmeise einschlüpfen kann, den Kasten besetzt und die kleine Blaumeise mitsamt ihrer Brut einfach überbaut und erdrückt.

Klingt ganz schön brutal. Aber das ist eben Natur. Und noch etwas lernen wir: "Gut und böse" gibt es nicht im Wald. Alle Lebewesen haben ihre Funktion. Der "Feind" ist allenfalls der Mensch.
aufmerksame Zuhörer

aufmerksame Zuhörer

Wer Nisthilfen aufhängen möchte, sollte zuerst den Standort genau anschauen. Die erste Frage heißt: Welche Vögel will ich im Revier fördern und wer nutzt welche Nisthilfen? Da gibt es zum Beispiel die Höhlenbrüter, sie bewohnen den klassischen Meisenkobel, so wie die Kohlmeise.

Kohlmeise

Meisen bauen kunstvolle Nester und sammeln so ziemlich alles, was sie finden zum Auspolstern. Neben Federn können das im heimischen Garten auch bunte Fäden aus der Wolldecke auf dem Liegestuhl sein.
Die Eier der Höhlenbrüter sind kaum gesprenkelt. Hier das Ei einer Meise im Vergleich zu einem Hühnerei.

Meisennest

Meisenei und Hühnerei

Das Ei der Amsel dagegen ist gut getarnt.

Amselei

Nistkästen werden nicht nur von Meisen genutzt, sondern beispielsweise auch vom Kleiber. Er gehört zu den Spechtvögeln und lebt unter anderem auch von den Larven des Borkenkäfers. Der Kleiber ist übrigens der einzige Vogel, der mit dem Kopf nach unten den Baum hinunter läuft. Anders als der Baumläufer, der sich - wie der Specht - in Spiralen den Baum hinauf arbeitet. Der Baumläufer sucht sich seine Brutplätze hinter abstehenden Rindenspalten auf abgestorbenen Bäumen. Der spezielle Nistkasten hat deshalb nicht das übliche Flugloch, sondern kleine Seiteneingänge.

Baumläufer

Nisthilfe für den Baumläufer

Auch die Schwanzmeise freut sich über Nisthilfen. Sie ist allerdings keine echte Meise und auch kein Höhlenbrüter. Deshalb nimmt man hier am besten so genannte Halbhöhlen. Damit die Vögel trotzdem vor Nesträubern geschützt sind, sollten die "Halbhöhlen" auch Türchen haben.

Halbhöhle

Halbhöhle mit Treppe

Eine Treppe als Innenausstattung bietet noch mehr Schutz und die Vogeleltern können sich bequem abschütteln, bevor sie zum Nest kommen. So bleibt das Nest sauber und trocken.
Innenausstattung einer Halbhöhle
Alle Holznistkästen sollten Löcher im Boden haben, damit die Feuchtigkeit ablaufen kann, wenn es den Vögeln einmal nass rein geht.
Bodenlöcher sorgen für ein trockenes Nest

Nistkästen gibt es nicht nur für Vögel, sondern auch für viele Insekten, wie Wildbienen, Hornissen, Hummeln und Wespen. Solche Nisthilfen sind ganz besonders wichtig, weil es in den heutigen Wirtschaftswäldern kaum mehr stehendes Totholz gibt.

Einfach ein Brett mit dem Bohrersatz durchlöchern, das sorgt für aktives Leben in der Insektenwelt des Waldreviers.
Wildbienen und Wespen brauchen Löcher mit einem Durchmesser von 3-8 mm, Hornissen dagegen Löcher mit 10 mm Durchmesser.

Nisthilfe für Wildbienen und andere Insekten

Fledermauskasten

Das ist ein Kasten für Fledermäuse. Der Einflug ist unten. Solche Kästen sind vor allem für kleinere Fledermausarten geeignet, sie werden am besten am Haus aufgehängt.

Will man im Revier die Fledermäuse fördern, zum Beispiel den Abendsegler, dann sollte man runde Meisenkobel aufhängen. Sie werden am ehesten besiedelt. Denn der Abendsegler nutzt normalerweise alte Spechthöhlen.

Der schwarze Anstrich heizt sich auf und sorgt für Wärme im Kasten, das lieben die Fledermäuse.

Ein klassischer Nistkasten für Vögel und Bilche. Das vorgezogene Dach bietet Schutz vor dem Marder. Er kann so mit seiner Pfote die Brut nicht erreichen.

Wichtig: Nistkästen sollten keine Sitzstangen haben, denn darauf sitzen auch die Nesträuber gern.


28 mm messen die Fluglöcher für Kleinmeisen;
32 mm für Kohlmeisen und Feldsperlinge, Fledermäuse, Haselmaus;
45 mm für den Star.

Auch für Eulen und Käuze kann man Nisthilfen bauen, dann sollten die Fluglöcher bis 18 cm Durchmesser haben.

Nistkasten mit Marderschutz

Nistkasten aus Holzbeton

Neben Nisthilfen aus Holz, kann man auch Vogelhäuschen aus Beton oder Holzbeton aufhängen. Sie sind haltbarer als die Behelfsheime aus Holz.
Dieses hier ist aus Holzbeton, das ist Beton, dem Holzspäne beigemischt werden.

So ein Nistkasten aus Holzbeton kostet 20 bis 30 Euro.

Wichtig in jedem Fall: Der Nistkasten muss im Herbst gereinigt und ausgeräumt werden, um den Befall mit Parasiten zu vermindern.

Nach so viel Theorie haben wir dann natürlich auch noch Nistkästen aufgehängt. Voraussetzung Nummer eins: Der Grundeigentümer muss gefragt werden !

Der optimale Zeitpunkt zum Aufhängen von Nisthilfen ist der Herbst, weil viele Vögel dann schon in ihrem Kasten überwintern. Aufgehängt werden die Kästen immer entgegen der Hauptwindrichtung, um die Nester vor Nässe zu schützen. Bei uns sollte man also am besten das Flugloch nach Südosten ausrichten.

Jetzt nur noch aufhängen!

Wie hoch muss der Kasten sein?

Und die Höhe? Die Kästen müssen einmal im Jahr gereinigt werden, also muss man sie immer wieder bequem erreichen können, etwa mit einer Alu-Leiter. Deshalb empfiehlt Andi Bautsch eine Höhe von 2 bis 3 Metern.

Und noch etwas: Die Vogelkästen sollten an Bäume genagelt werden, die nicht das wertvollste Holz bieten.
Dann hat auch der Förster nichts dagegen.
Genagelt wird mit Alu-Nägeln, dann gibt es später, wenn der Baum einmal gefällt wird, keine Probleme im Sägewerk oder bei der Funierherstellung.

Beim Reinigen von Vogelkästen sollte man möglichst alte Klamotten anziehen, denn die Nester sind eine wahre Brutstätte für Vogelflöhe und die gehen auch gerne auf Menschen.

Wer wissen will, ob die Nisthilfen auch bewohnt sind, der muss nach Federschuppen suchen. Das ist ein sicheres Zeichen, dass im Kasten erfolgreich Jungvögel aufgezogen werden.
Nur Alu-Nägel bitte !

Ein neues Wohnheim für Meisen und Co

Sieht doch gut aus, der neue Wohnsitz für Meisen und Co? Mal sehen, wie lange es dauert, bis es angenommen wird.

Man sollte übrigens nicht nur einen Nistkasten irgendwohin nageln, sondern immer mehrere Kästen gleichzeitig. Rund 50 Meter im Durchmesser misst das Revier einer Meise.

Wenn Kästen mit kleinen und großen Fluglöchern gemischt und ein paar Halbhöhlen dazwischen gehängt werden, dann ist ein idealer Lebensraum für viele Arten entstanden.

Wir danken Andreas Bautsch und dem Landesbund für Vogelschutz für die vielen Informationen.