Das Vegetationsgutachten 2012

Überall in den Revieren wird im Frühjahr 2012 das Vegetationsgutachten erstellt. Das heißt, der Förster aus dem zuständigen Amt für Landwirtschaft kommt "bewaffnet" mit Stöcken, GPS und Notizbuch ins Revier und erfasst den Zustand der Verjüngungen. Wie viel ist verbissen und wie viel nicht, heißt die Frage. Denn auch das muss nach dem neuen so genannten Zehn-Punkte-Programm jetzt genau aufgelistet werden. Und noch etwas ist neu: Die Flächen, auf denen das Gutachten gemacht wird, sind die gleichen wie 2009.

Das Vegetationsgutachten hat schon im Vorfeld für jede Menge Diskussion gesorgt. Doch wir haben keine Bedenken. schließlich haben wir die Schulung besucht, die der Bayerische Jagdverband angeboten hat. Von Forstexpertin Ramona Pohl wurden wir hervorragend eingearbeitet und bestens vorbereitet. Da kann nix mehr schief gehen.

Dann geht alles ganz schnell: Am Montag Früh der Anruf bei Rainer Braun, Revierpächter im Lehrrevier: Am Dienstag soll es los gehen.

Pünktlich um zwei treffen wir uns mit Förster Hubert Reinhardt vom Amt für Landwirtschaft in Ebersberg. Er ist dieses Mal für die Aufnahmen zum Vegetationsgutachten zuständig. Mit dabei ist auch Förster Karl Hörmann, der zuständige Revierleiter für unser Lehrrevier.
Gemeinsam laden wir das Auto aus: Stangen, um den Abstand zu markieren. Einen Meterstab, ein kleines GPS-Gerät zum Finden der Aufnahmepunkte und die Formulare zum Aufschreiben der Verbisssituation.

Ein Blick auf das GPS-Gerät, hier muss es sein. Denn das letzte Mal hat der Kollege die Daten vom Aufnahmeort genau eingetragen. Kein Problem, der Punkt ist schnell gefunden.
Dann müssen wir die nächst gelegene Verjüngung finden. Außerdem vom Weg mindestens fünf Meter Abstand halten. Mit den Stäben wird die Fläche abgesteckt.
Hubert Reinhardt erklärt noch kurz wie er die einzelnen Stadien der Bäumchen misst. Dafür hat er einen speziellen Stab zum schnellen Messen mitgebracht.

Aufgezeichnet werden:
Bäumchen unter 20 cm, sie werden nicht beurteilt
Bäumchen der Klasse 1: zwischen 20 und 40 cm, Bäumchen der Klasse 2: zwischen 40 und 80 cm und Bäumchen der Klasse 3: bis zu einer Höhe von 120 cm.

Dann gehts los. Welche Baumarten stehen hier überhaupt? Wir finden hier eine Buche, da eine kleine Eiche, jede Menge Vogelbeeren, hier und da eine Kiefer und natürlich Fichten.

Ist das jetzt noch eine "Einser"-Fichte oder schon eine "Zweier"?
15 Bäumchen insgesamt müssen wir pro Aufnahmepunkt erfassen. Fünf Aufnahmen werden an jedem Standort gemacht. Wenn die Verjüngung sehr dicht ist, sind die 15 Bäumchen schnell gefunden. Man muss sogar aufpassen, dass man die kleinen unten drin nicht übersieht.
Erstaunlich wie schnell die beiden Förster die kleinen Eichen erkennen. Wir hätten die glatt übersehen.

Hubert Reinhardt notiert sich alles : Entscheidend ist immer der so genannte Leittrieb. Wenn ein kleines Bäumchen verbissen wurde und einen neuen Leittrieb nachgeschoben hat, gilt das nicht mehr als Leittriebverbiss, sondern als Seitentriebverbiss. Eine wichtige Unterscheidung für das Endergebnis.
Bei uns schaut es recht gut aus: Wir haben nur wenige verbissene Bäumchen und dann meistens nur verbissene Seitentriebe. Auch die kleinen Laubhölzer schauen gut aus. Die Buchen etwa sind gar nicht verbissen und die Eichen nur wenig.
Schließlich messen Hubert Reinhardt und Rainer Braun noch den weitesten Abstand vom Mittelpunkt der Aufnahmefläche. Auf den Standorten mit dichter Verjüngung sind das etwa 1,20 Meter, auf solchen mit spärlicherem Nachwuchs kann der Abstand auch mal drei oder vier Meter ausmachen. Mehr als fünf Meter sind nicht erlaubt.

Die Männer im Wald werden genau beobachtet. Auri und Dodo passen sehr gut auf, was da passiert und dass bei den Aufnahmen alles richtig läuft.

Nach einer guten drei Viertel Stunde ist der erste Aufnahmepunkt geschafft. Sieht gut aus, unsere Verbissaufnahme. Doch letztlich zählen ja nur alle Aufnahmen in der gesamten Hegegemeinschaft.
Alle Anwesenden unterschreiben und weiter gehts zur zweiten Aufnahmefläche.
Hier das gleiche Spiel, wir kämpfen uns durch dichte Verjüngungen und zählen die Bäumchen. Erfreulich viel Laubholz unter dem Nachwuchs. Verbiss: Fehlanzeige.
Sicher ist nur eines: Die Vegetationsaufnahme in unserem Lehrrevier war absolut fair, die Atmosphäre völlig entspannt, ja sogar ausgesprochen gut. Das allerdings war auch gar nicht anders zu erwarten, denn wir haben generell ein hervorragendes Verhältnis zu unserem Förster und daran ändert auch ein Verbissgutachten nichts.

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